Warum das Ganze?

Ich arbeitete bereits als freiberufliche Redakteurin, als ich über das Thema “Viralität im Netz” promovierte. Ein Thema, das mich besonders reizte, und das ich später “Akzidentielle Medienhypes” nannte. Der Graben zwischen den Netzhypes in meiner Timeline und dem langsam zum Klassiker werdenden Journalisten-Lied “Kein Schwein kauft noch Print”, den sah ich quasi jeden Tag. Ich fragte mich: Wie kommt es, dass sogar ein umgefallener Blumenkübel in der Netzwelt mehr Begeisterung und Reactions auslöst, als eine Meldung, die vielleicht halbherzig von der dpa kopiert ist, aber dennoch einen gewissen Newswert hat?

Die Antwort liegt in der Aufbereitung. Der Plattform. Dem Verkaufsort. Der Meta-Ebene. Der inneren Wahrheit. Der Emotion. Den Social Media, die ich gerne mit Marktplätzen vergleiche, auf denen Ladenbesitzer mit Tabletts voll Artikel-Häppchen herumgehen, um sie den Kunden da anzubieten, wo sie bereits sind – und zwar mundgerecht. Da, wo die Kunden untereinander weiter erzählen: Hast du schon gehört? Hier, probier mal!

 

 

Nichts Neues, nur online

Das virale Teilen von Content in den Social Media ist ja letztlich keine neuartige Erfindung, sondern einfach eine Lese- oder Kaufempfehlung, wie sie es analog schon seit Jahrhunderten gibt. So funkioniert letztlich auch virales Marketing bzw. viraler Journalismus.

Wichtig finde ich hier, und das schreibe ich auch immer wieder: Der User will ernst genommen werden. Er will, dass man ihm auf Augenhöhe begegnet und ihm zuhört. Und er hat auch das Recht darauf. Das ist das Gesetz der Social Media und nichts, wovor man sich fürchten müsste.

Was genau dann viral geht, dahinter steckt neben allen Studien und Erfahrungen auch viel Intuition. Vor allem auch Empathie. Das Hineindenken und -fühlen in den Leser, die Zielgruppe. Ob das Ganze am Ende aufgeht, weiß letztlich niemand sicher, und es gibt keine Garantie für Reactions – es sei denn, man kauft sie gleich im Promotion-Package.

Wenn Content dann aber hundert- oder sogar tausendfach geliked und geteilt wird, wenn er die Community bewegt – dann ist das für mich wie der Applaus nach einem Song, der besonders schwer zu singen, mir selbst sehr wichtig oder im besten Falle beides war.